Reise

The Gold of the Irish

Hallo meine lieben Leser- da bin ich wieder! Gesund und munter hocke ich nun nicht mehr am irischen Bartresen, sondern vor meinem Computer im heimischen Leipzig. Ich muss gestehen, dass ich schon seit einer Woche hier verweile, und ja, noch nicht dazu gekommen bin Euch von meinen spannenden Reiseabenteuern zu berichten. Das liegt zum einen daran, dass ich die ersten paar Tage mein Fernweh und meine daraus resultierenden Depressionen kurieren musste und zum anderen an einem langen Arbeitswochenende. Aber jetzt bin ich so weit und wir können auch schon direkt beginnen.

Fangen wir doch mit einer allgemeinen Aussage an: Ich liebe Irland. Ich liebe die Landschaft, ich liebe die Atlantikküste, ich liebe die freundlichen Menschen und ich liebe die (englische) Sprache. Es war ja nun mein drittes Mal in Irland und ich muss sagen, es wird immer besser. Man gewöhnt sich so langsam an den Regen (schaut mal bitte aus Eurem Fenster, hier in Deutschland!) und dieses Mal hat es auch nur zwei Tage wirklich geschüttet, die restliche Zeit schien sogar viel die Sonne. Und wenn man sich nicht so lange dort aufhält erscheint das Essen auch gar nicht mal so übel, denn zwei Mal in einer Woche Baked Beans zu essen ist schon okay.

Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt, dem Essen. Ich muss zu Anfang gestehen, dass ich nicht wirklich mutig war, wie ich doch groß angekündigt hatte. Allerdings haben wir in der ganzen Zeit auch nicht sooo viel gegessen, weil wir einfach viel rumgefahren sind und die gute irische Luft uns die Mägen gefüllt hat. So kam es dann auch, dass wir sehr häufig einfach nur Brot mit Käse (feinster nordirischer Cheddar) oder Marmelade (zuckersüßes, sehr wenig fruchtiges Zeug) verspeisen konnten. Insgesamt dreimal habe ich in einem „Restaurant“ gegessen, beim ersten Mal gab es Pommes mit Chicken Nuggets (ein wenig trocken, aber mit viel Ketchup recht lecker), beim zweiten Mal dann einen echt leckeren Cajun Chicken Wrap und beim letzten Mal ein Sandwich mit Schinken und Käse, was besser schmeckte, als es jetzt klingt. Meist gab es bei uns übrigens nur Frühstück und Abendbrot und an den Abenden, an denen wir nicht groß aus waren (höhö) gab es für mich zweimal Bakes Beans und einmal haben die Herren der Schöpfung Spaghetti Bolognese gekocht.
So weit war das Essen also gar nicht schlecht. Das einzige, was ein bisschen schlimm ist, ist die Sucht alles zu frittieren und überall Pommes oder Chips beizulegen. Zu meinem Sandwich gab es zum Beispiel geriffelte Chips; das hätte ich wirklich nicht gebraucht. Dem durchschnittlichen Iren sieht man übrigens durchaus an, dass er gerne Chips (im Sinne von Pommes) in sich hineinspachtelt; ich will nicht sagen, dass die Deutschen weniger fett sind, aber eben auch nicht fetter. Na gut, bei den Iren kann man es ein bisschen verstehen- nach der Hungersnot 1845 denken sie sich sicherlich „Nehmen, was man kriegen kann und von den Vorräten leben“. Leider sehen angefressene Vorräte nur bei Hamstern niedlich aus und nicht bei Girlies, die dann zu allem Übel auch noch im Minirock herumstolzieren. Schröcklöch.

Genau so ungesund, aber dafür viel mehr nach meinem Geschmack sind natürlich die Süßigkeiten und Kekse. Es verging mal wieder kein Tag, an dem ich nicht in das Verlangen kam, etwas arg zuckerhaltiges zu kaufen und auch zu vertilgen. Den allerersten Keks habe ich direkt in Dublin gekauft- im sogenannten „Candy Store“. Dieser Laden ist ein wirklich schnuckeliger Ort, der zwar viele Gummitiere verkauft (darauf stehe ich ja nun nicht sooo sehr), aber dafür auch riesige Chocolate Chip Cookies (für 2€ das Stück durchaus günstig und very delicious), sowie Cupcakes, Kaffee und tolle Glitzerkarten mit Törtchenmotiv. Ich mochte den Laden wirklich gerne und habe ihnen auch fast das Versprechen „no artificial colours or flavours“ abgekauft. (Die Gummitiere waren einfach zu bunt, um natürlich gefärbt zu sein, aber vielleicht liege ich auch falsch.) Wer mal in Dublin ist und auch auf mädchenmäßige Einrichtung und Cookies steht, der ist im „The Candy Store“ auf jeden Fall richtig- er befindet sich übrigens auf der einen Hauptstraße, auf der die ganzen Busse fahren und wo auch die, von uns so genannte, „Needle“ steht. Nicht zu verfehlen, dieses ca. 100 m (ich kann wirklich schlecht schätzen) hohe , immer spitzer werdende, silbrige „Säule“.
Weiter ging meine süß-kulinarische Reise mit furchtbar widerlichen „tea cakes“, die einfach nur nach alter Schokolade geschmeckt haben. Deshalb nicht mehr dazu. Danach waren widerum sehr leckere Kekse dran („Jammie Dodgers“), einfache Kekse mit Himbeermarmelade gefüllt. Gehörten leider nicht mir.

Weitere leckere Süßigkeiten, wie viele Chocolate Chip Cookies, ein Walnut Whip von Nestlé, zwei sehr süße Schokoladenbiskuitrollen und diverse Apfeltaschen folgten und am Ende landete ich wieder im „Candy Store“, glücklich bei einem Cookie. Ach- nicht zu vergessen der Cupcake im „Mr.T’s Wraps and Roll“ (da gabs auch den Wrap, übrigens mit gesunder Salatbeilage, widerlichen Toiletten und einem wild flirtenden Mitarbeiter). Jener Cupcake schmeckte zwar ganz lecker, hätte aber besser sein können. Ich mag meine lieber. : )
Ihr seht- das Essen hat dort so seine Höhen und Tiefen; manche Sachen sind wirklich gut, andere so lala. An die irischen Nationalgerichte habe ich mich nicht herangetraut und irgendwie sind wir auch gar nicht in Berührung damit gekommen. Einmal haben sich die Bubis (ähäm, Männer ; ) ) ein Irish Breakfast gemacht, mit Würstchen, Baked Beans, Bacon und Ei und sie meinten, es wäre sehr lecker gewesen. Sah zwar für mich nicht ganz so aus, aber wir wollen ihnen mal Glauben schenken. : )

Nun aber zu den wichtigen, bedeutenden irischen Gütern, ab nun von mir auch liebevoll „das Gold der Iren“ genannt- zum Guinness und (der güldenen Farbe und großen Bedeutung wegen) zum Whiskey. Es gab keinen Tag, an dem nicht wenigstens einer (meist waren es aber drei, von fünf) von uns in den Genuss dieses tollen Bieres kam und häufig gab es sogar mehr als eins. Guinness ist einfach toll, es sieht schon schön aus, in die Gläser passt mehr rein als in Pilsgläser und der Schaum ist so weich, dass man ihn sich am besten auf die Oberlippe schmiert. Einfach, weil es sich nett anfühlt. Im Gegensatz zu anderen Biersorten finde ich Guinness auch eher mild, es schmeckt weniger nach Bier, als vielleicht nach Kaffee. Ich weiß, das ist eine schlechte Beschreibung, weil es im Endeffekt ja auch nur ein Bier ist, aber ein ganz besonderes eben. Eines, dass ich mit Genuss und nicht mit Ekel trinke. In Irland schmeckt es natürlich noch viel besser- ich glaube, hier zu Lande dürfen keine echten Guinnesszapfhähne benutzt werden und deshalb ist hier der Schaum auch luftiger und nicht so schön dicht und cremig. In manchen Irish Pubs- ja, auch hier in Leipzig- erscheint das Guinness auch um einiges dünner, als in seinem Heimatland. Wer mehr über mein Lieblingsbier erfahren möchte, kann auf der Homepage von Guinness ein paar Informationen zur Geschichte und Brauart sammeln und sich natürlich mit dem Guinnessshop verbinden lassen.


Nun zum Whiskey- man darf es sich in Irland nicht nehmen lassen (aber nur wenn man schon 18 ist, hihi) eine Brennerei zu besuchen. Zufälle und Planungen trieben uns allerdings nur in ein Heritage Centre, nämlich nach Tullamore, wo schon lange kein Whiskey mehr gebrannt wird, man aber in einem Museum etwas über die Geschichte erfährt und- gaaanz wichtig- eine Kostprobe mitmachen darf. Wir durften vier Sorten vom Tullamore Whiskey probieren und dann den Irish Mist, einen sehr süßen Likör, den man in Maßen zu genießen hat. Insgesamt war die Verkostung recht hektisch und führte zu benebelten Gemütern, weshalb wir einen Ausnüchterungsspaziergang und ein deftiges Mal (immernoch: Wraps und Rolls bei Mr.T) benötigten, um unseren Fahrer wieder fahrtüchtig zu kriegen.
Nicht nur für die Iren, sondern auch für uns, ist der irische Alkohol zwar nicht ausschlaggebend, um das Land zu mögen, aber doch eine Abrundung eines (jeden?) Abends. Auch deshalb haben wir natürlich ein paar Kostproben mit nach Hause gebracht und bisher sind sie auch noch gut verschlossen. Mal sehen, wie lange noch… : )

Nun noch schnell ein paar Hinweise und Tipps für Eure (nächste) Irlandtour:
Wir sind von Dublin aus gestartet und zuerst gen Süden (Richtung Cork) gefahren. Auf dem Weg dorthin liegt der Rock of Cashel, eine beeindruckende Festung auf einem Hügel. Gleich nebenan befindet sich die Hore Abbey, die uns weitaus mehr in ihren Bann gezogen hatte, weil sie zum einen unentgeltlich war und zum anderen nichts gekostet hat. ; ) Ingesamt fand ich County Cork nicht so schön, vielleicht haben wir auch nur die falschen Ecken gesehen. Weiter ging es bei uns Richtung Ring of Kerry, den wir auf jeden Fall noch einmal genauer betrachten wollen. Eine tolle Küstenlandschaft, mit Ruinen und Stone Forts; zudem gab es dort einen wunderschönen Zeltplatz in Cahersiveen, den man unbedingt besuchen muss, wenn man campen will. Wunderschön.
Vom Ring of Kerry trieb es uns dann nach Doolin, um die Cliffs of Moher zu besichtigen- 200 m hohe Klippen, die einfach imposant sind und nach 18, 19 Uhr (ungefähr wenn es langsam dämmert im September) auch keinen „Eintritt“ in Form von horenter Parkgebühr mehr kosten. Aber bitte nicht wegen all der Dunkelheit herunterfallen!!!
Nachdem wir Doolin verlassen hatten brachte uns unser kleines Autochen nach Strandhill, Nähe Sligo. In Strandhill hat die beiden Male, als wir dort waren, immer die Sonne geschienen, jedenfalls abends und so durften wir jeweils einen tollen Sonnenuntergang sehen. Der Zeltplatz ist auch recht günstig und der Strand einfach toll. Am darauffolgenden Tag sind wir dann auch schon nach Tullamore zum Whiskeyverkosten geruckelt und tags darauf zurück nach Dublin, wobei wir vorher einen Stop in Glendalough gemacht haben um im Regen zu wandern. All diese Orte waren wirklich schön und das nächste mal werden wir wohl dem Ring of Kerry mehr Beachtung schenken

So, das soll es erst einmal gewesen sein, zu meinem Urlaub. Ich werde mich auch sehr bald daran setzen, die in letzter Zeit erprobten Rezepte online zu stellen, denn ich habe vieles schon gekocht, gebacken und fotografiert. Falls jemand noch Fragen zu meiner Reise hat- z.B. welche Unterkunft ich noch empfehlen kann, wie man am besten ganz das Geld für einen Zeltplatz spart und trotzdem zum Schlafen kommt, wie wir zu unserem Mietauto kamen, obwohl wir doch noch unter 23 sind und welche Reiseausrüstung man benötigt- ich stehe Euch liebend gern zur Verfügung und teile Euch meine Erfahrungen mit.
Eins ist jedenfalls nach diesem Urlaub klar- ich werde an meinem Traum festhalten, irgendwann von Irland aus Leipzig zu besuchen, und nicht andersherum. Fahrt hin und findet heraus, warum. : )

5 Comments

  1. steff

    ach, schön. würde ich im regnerischen leipzig sitzen, statt hier im wundervollen schweden, würde ich jetzt wahrscheinlich ganz schreckliches fernweh kriegen. und wenn es nur nach einem guten irish breakfast wäre (ja, es IST wirklich gut! :) ).
    „the spire“ in dublin trägt übrigens auch wirklich den spitznamen „needle“. nur mal so nebenbei ;)

  2. VB

    Kurz: Is wie Australien, nur nasser und mit mehr Bier (Welches hier sagenhafte 10 Dollar im Pub kostet… ARGH!!!).

  3. maike

    Hilfe, wie sollen wir denn da den St.Patrick’s Day feiern? Oh neee, ich muss mir wirklich noch mal überlegen, ob ich meine Ersparnisse nicht lieber für eine schöne KitchenAid verprasse, anstatt nach Australia zu fliegen…Natürlich nicht, ich will ja unbedingt all die australischen Köstlichkeiten probieren. : )

  4. Eigentlich war ich ja auf der Suche nach einer Bauanleitung für einen Bartresen (Google), als dieses Bild aufgetaucht ist. Müßte Ballycarbery Castle sein. hat mich gleich an unseren Urlaub erinnert, wir waren letztes Jahr eine Woche auf Valentia Island. Großartige Gegend, großartiges Land. Viele Grüße & eine schöne Zeit

  5. maike

    oh ja, irland ist wahrlich wundervoll. ich war schon drei mal da und fand es immer wieder zauberhaft. eine grandiose landschaft, gutes bier und freundliche menschen. fast ein land zum auswandern. wir werden es sehen… : ) liebe grüße, maike

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