Reise

Auf nach Islay: Vom Whisky und Wandern.

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Also, so besonders passend ist der Titel natürlich nicht. Müsste eher „Zurück von Islay“ heißen, in Anbetracht der Tatsache, dass wir leider nicht mehr dort verweilen. Ihr ja aber vielleicht bald oder wenigstens in Zukunft.
Ja, Islay… Besser gesagt, die Isle of Islay, die nich Eiläi, sondern Eila gesprochen wird, wie wir von den Einwohnern lernen durften. Ein wirklich hübsches Fleckchen Erde, klein und fein, schottisch und schön. Den gemeinen (oder auch fröhlichen) Touristen lockt das Inselchen vor allem mit seinen rauchigen, wilden Whiskys, wie Laphroaig, Lagavulin, Ardbeg und Caol Ila, Bowmore und diverse andere nicht zu vergessen. Oder aber man fühlt sich von der rauen bis grauen Landschaft angezogen, die gerade in den frühen Monaten offensichtlich nass und braun ist, dadurch aber nicht an Schönheit verliert. Ja, eins muss man ja sagen- nass war es, in der Tat. Die Heide und sämtliche Gestrüppe waren getränkt und hielten mindestens knöcheltiefe Wasserfreuden für uns bereit oder tauchten das praktische Schuhwerk in ein modisches Matschbraun. Aber zum Glück hatten wir ja ein Häuschen mit leistungsstarken Heizungen und folglich nie lang nasse Füße.

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Port Askaig, Blick auf die Isle of Jura

Jaaaa, ein Haus, in der Tat. Mit der Überweisung der Finanzen an das freundliche Hausbesitzerfrollein erstanden wir einen bisher ungekannten Teil des Spießbürgertums, denn bequeme Betten, riesige Herdplatten, einen Washdryer und geheizte Bäder kannten wir so noch nicht aus unseren vergangenen Urlauben in die nordischen Gefilde. Was soll ich sagen? Mann, es fetzt! Nicht immer, denn Zelten mag ich doch zu gern, aber so im März, mit 4 von 7 Tagen Dauerniesel ist es durchaus ein schöner Luxus, in die „eigenen“ vier Wände wiederzukommen, ins Gammeloutfit zu schlüpfen, Essen zu kochen und hinterher leicht ermattet auf dem Sofa zu hängen… Hach ja, Islay…

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Ausblick aus unserem Beach Cottage

Im Übrigen ist die Anfahrt auf das Inselchen nicht zu unterschätzen, es sei denn, man ist reich und landet direkt mit der Fluggesellschaft zwischen Bowmore und Port Ellen. Ist man meistens natürlich nicht und somit zieht sich der Weg etwas hin. Wir sind von Leipzig nach London geflogen, mit der Airline, die gern an Luxus spart, aber dafür sehr günstig ist. Von London sind wir mitm National Express Nachtbus (Halleluja! 7 Stunden mit schreienden, wimmernden Kindern!) nach Glasgow gedüst, dann umgestiegen in den Citylink Bus nach Kennacraig. Von dort aus legt nämlich die Fähre nach Islay ab und fährt entweder nach Port Askaig oder Port Ellen. Wir wollten nach Port Ellen, kamen aber in Askaig an, durften also dann noch mal n bisschen Bus fahren. Wieso auch nich? ; ) Aber ich sag’s euch- ist man dann einmal da und läuft im Sonnenschein die kurzen 3 km zur gemieteten Hütte, die man schon vom City Centre, haha, aus sehen kann, dann ist das schon mal ein schönes Gefühl. Vom direkten Ankommen dann natürlich ganz zu Schweigen.
Aber man muss ja auch nicht nur nach London fliegen, Glasgow täte es auch und würde natürlich den Nachtbus streichen. Was, ganz ehrlich gesagt, eine schicke Sache wäre…

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Wetterumschwung am Morgen

Auf Islay dann selbst ist es vielleicht von Vorteil, ein Auto zu leihen. Könnte man machen, oder man läuft und fährt Bus und Taxi. Gern mit Karooohl von Carol’s Cabs, denn die is so augesprochen fröhlich. ; ) Hihi. Wir jedenfalls sind auch ohne Mietauto rumgekommen, auf The Oa, bis nach Portnahaven, zum Loch Gruinart und auf einen großen Hügel gekraxelt sind wir naturellement auch. Also, gar nich so verkehrt und zudem äußerst sportlich, schließlich waren wir jeden Tag mindestens 2 Stunden wandern.

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Blick vom Berg
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Blick auf den Berg

Ganz wichtig waren natürlich auch die Besuche in den Distillen und wir haben es nach Laphroaig und Lagavulin geschafft. Ardbeg hatte zu, wie blöd. Sehr spannend mal wieder, von der Whiskybrennerei zu erfahren und Kostproben abzustauben. Die Abende lassen sich im Übrigen prima ruhig verbringen, denn viel ist auf Islay nicht los. Zwar waren die Jungens auch mal im Pub in Port Ellen, doch meistens hockten wir in unserem schönen Häuschen, haben gekocht und gefuttert, gelesen und Gesellschaftsspiele (irgs) gespielt. Zum Sonntag gab es übrigens einen dicken Schokoladenkuchen, nach der Wanderung zum American Monument, mal wieder im Niesel. Ansonsten haben wir gebrutzelt und geköchelt, wonach uns war. Nix typisch schottisches, sondern Nudeln (was sonst?), Kartoffelecken mit Dip und Salat, Linsenlasagne, Pizza (ganz dolle homemade), Kartoffelbrei mit Sojamilch (aus Ermangelung von Kuh) mit  Erbschen und Rührei und sowieso. Wie gesagt, so ein Haus hat einige, nicht zu verleugnende Vorteile.

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Lighthouse in Portnahaven

Was man mitbringt, wenn man auf Islay war: Fläschchen und Gläser aus den Distillen, riesige Mupfeln, die einfach so aufm Feld lagen, hübscheste Bilder von all der schönen Landschaft, Steine vom erklommenen Hügel, ein bisschen Sand in den Schuhen von den Singing Sands, das Gefühl, genug Niesel für dieses Jahr abbekommen zu haben, eine gestraffte Bein- und Pomuskulatur, Heimweh nach dem wunderbaren Haus am Strand (Klingt ganz schön kitschy, aber wacht ihr mal auf uns seht die Sonne überm Meer in solch grandiosen Farben aufgehen!), das Gefühl, den Engen und Zwängen der Stadt für eine schöne Zeit entkommen zu sein und finally, ein bisschen Einsamkeit nach 10 Tagen Hordenleben. Ihr seht also, es lohnt sich. Jedenfalls für mich und uns hat es sich gelohnt und es war, mal wieder, eine wahrlich wunderbare Zeit. Nun aber genug von dem Gesäusel, bald gibt’s hier wieder köstlichstes Essen, versprochen! : )

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Ach ja, wer Details zu unserer Urlaubsplanung will, zum Beispiel zu unserem Beach Cottage, der möge sich einfach melden. Ich helf doch gern dabei, den Islayern neue Touris zu verschaffen.

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